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Zuletzt aktualisiert: 17.02.2012 um 18:10 UhrKommentare

Der Nissan Leaf im Härtetest

Die sibirische Kälte hat sich gerade so richtig eingenistet, als der Nissan Leaf seinen Dienst im Fuhrpark antritt: Bei sibirischer Kälte geht es dem Elektroauto ans Eingemachte.

Foto © Nissan

Die sibirische Kälte hat sich gerade so richtig eingenistet, als der Nissan Leaf seinen Dienst im Fuhrpark antritt. Bei minus 10° und dichtem Schneefall - zwischen Batterien und Winter stimmt die Chemie nicht, das wissen dieser Tage auch Otto-Normal-Verbrenner. Aber es geht noch ungünstiger: Der Leaf ist ab jetzt nämlich Laternenparker und in die Nähe einer Steckdose kommt er erst wieder in ein paar Tagen. Aber jetzt steht er mit 152 km Reichweite voll im Saft, abends beim Abstellen halten wir bei 142, gefahren sind wir 3,5. So schnell kann's gehen.

Tag 2, minus 8°, Schneegestöber. Als der Leaf in der Früh beim Hochfahren seine Playstation-Arie orgelt, sind zwei Ladebalken auf Nimmerwiedersehen vom Display verschwunden. Wenigstens stellen ihn in dieser Woche keine gröberen Auswärtstermine vor unlösbare Aufgaben, so bewegen wir uns in Stadt und Umland, wo er sich pudelwohl fühlt und sein sattes Drehmoment sprießen lässt.

Tag 3, minus 8°. Mit dem Joystick-Schalthebel haben wir den Eco-Modus entdeckt und freuen uns über 20 km Reichweite mehr - gerade eben waren es noch 70, jetzt sind es 90 - auch wenn der Leaf dann wesentlich zäher anspricht.

Tag 4, minus 7°, Sonnenschein. Heizen schmilzt die Reichweite wie die Sonnenstrahlen den Schnee, deshalb genügt es uns, wenn es im Auto nicht kälter ist als draußen. Wer dem Leaf mit einer kuscheligen Garage ein Dach über dem Kopf gibt, kann ihn am Netz vortemperieren. Aber in der Stadt ist nun mal die Mehrheit Laternenparker.

Tag 5, minus 9°. Die Ladung neigt sich dem Ende zu, die Reichweitenanzeige jongliert jetzt nicht mehr mit unseren Nerven, sondern klammert sich an jeden der letzten 30 km. Das schafft Vertrauen und geht sich punktgenau aus: Einbiegen in die Tiefgarage und der letzte Ladebalken erlischt. Vor einer appetitlich aussehenden Steckdose halten wir fest: 70 km (Kilometerkosten mit Ökostrom rund 4,2 Euro/100 km) hat der Leaf geschafft. Das sind nicht einmal 50 Prozent der angegebenen Reichweite von 175 km, aber der Leaf hat zu seiner Entschuldigung vier Tage und Nächte bei Minusgraden auf der Straße verbracht. Jetzt schlägt er sich den Batterie-Bauch voll.

Tag 6, minus 8°, starker Schneefall. Souverän surrt der Leaf durch den Schnee, das patzige Weiß fordert ihn nicht, aber mit der Kälte wird er nicht so richtig warm. Zwar strömt unter Aufbietung zweistelliger Reichweite laue Luft aus den Düsen, so richtig lauschig wird es bei diesen Außentemperaturen aber nicht. Gestartet sind wir heute mit vollen 151 km, 80 überwinden wir am Stück, bevor wir mit leerem Akku wieder zu Hause ankommen.

Tag 7, minus 6°, Sonnenschein. Zeit für ein Resümee: prinzipiell toll, wie das Antriebskonzept E-Auto zum Raumkonzept Stadt passt. Aber Väterchen Frost halbiert die Reichweite des Vollwertstromers, egal, wie viel man nicht heizt.

Ob der Nissan Leaf alltagstauglich ist, hängt davon ab, wie der Alltag aussieht: Der Nissan Leaf ist perfekt für die Stadt: lautlos, wendig, flott und je nach Fahrprofil alltagstauglich. Wenn da nicht die Themen Ladeinfrastruktur, Preis, grüne Stromgewinnung und Reichweiten zu klären wären.


Fakten

Preis: 37.490 Euro

Antrieb: E-Motor mit 80 kW/109 PS, 280 Nm max. Drehmoment, Lithium-Ionen-Akkus, max. Reichweite 175 km, Ladedauer (230 Volt/16-A-Steckdose) 6,5 Std

Energiepaket: Über den Anbieter The Mobility House kostet eine 16-Ampere-Ladestation 1.090 Euro oder eine Monatsmiete von 14,90 Euro. Die Montage kommt auf 390 Euro.

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