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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 um 13:11 Uhr

Zeitreise mit Kunststücken

Zu Gast in der Wohnung eines Sammlers: Das moderne Mobilar nimmt sich zurück, um Kunst und Antiquitäten wirken zu lassen - ein Wohnstil ganz ohne Patina.

"Ohnen Innenarchitekt wäre es nie möglich gewesen, Neues und Altes so stimmig miteinander zu kombinieren," so der Bauherr

Foto © Oliver Wolf"Ohnen Innenarchitekt wäre es nie möglich gewesen, Neues und Altes so stimmig miteinander zu kombinieren," so der Bauherr

"Schauen Sie nur, die Kunst, so etwas zu bemalen, dieser Aufwand, nur um in den Genuss getrennter Speisen zu kommen", schwärmt der Bauherr und hält ein zartes Porzellanschälchen aus dem 18. Jahrhundert gegen das Licht. Filigrane Kostbarkeiten wie diese haben es ihm angetan. Seit 20 Jahren sammelt er Antiquitäten und Bilder. Hinzu kommen noch unzählige Mitbringsel von Reisen in rund 70 Länder auf allen Kontinenten. Zu guter Letzt mangelte es dem Mann zu Hause eigentlich nur an einem: an Platz. Die Dinge begannen sich zu stauen und einander die Schau zu stehlen.

Der richtige Stil

Als schließlich ein Wohnortwechsel anstand und damit auch der Kauf einer Wohnung in Graz, stand für den Mediziner fest: "Ich will stilvolles, sehr modernes, aber auch sehr ruhiges Design kombiniert mit ganz besonderen alten Stücken." Damit kam der Innenarchitekt Daniel Schlosser ins Spiel. "Eine Bekannte hat mich damals in ihre Wohnung eingeladen, die von Daniel Schlosser gestaltet worden ist, und in Korea bereits auf die Liste der 50 schönsten Appartements gesetzt wurde", erzählt der Bauherr, der sich mit diesem Einrichtungsstil sofort identifizieren konnte.

Im Prinzip ging es darum, alles Neue so schlicht und luftig-leicht zu halten, wie nur irgend möglich, "damit das Alte Wirkung hat", sagt Schlosser. Holz war damit sowohl bei den Böden als auch bei den neuen Möbeln tabu. "Weil es viel zu dominant ist", sagt Schlosser. Außerdem wollte der Bauherr die Farbunterschiede vermeiden, die sich im Holz automatisch ergeben, wenn man Teppiche auflegt. Für die Böden wurden also weiße, marmorierte Fliesen gewählt. Die neuen Einbaumöbel nach Entwürfen von Schlosser sind ebenfalls allesamt weiß. Farbe bringen ohnehin die Sammlerstücke in den Raum.

Wahre Größe

Eine spezielle Herausforderung war die Raumaufteilung. 130 Quadratmeter Wohnfläche sind zwar nicht wenig, wer auf dieser Fläche zusätzlich zu Küche, Wohnraum und Schlafzimmer noch drei Bäder, einen großzügigen Wellnessbereich und ein Gästezimmer unterbringen will, stößt dennoch bald an seine Grenzen. Schlosser griff zum Trick, den Raum mit zahlreichen Spiegeln zu vergrößern und entwarf eine weiße Möbelwand, die sich vom Vorraum bis in den Wohnraum durchzieht: Die Tür zu einem der Badezimmer ist hier elegant versteckt. Der Wohnraum gewinnt dadurch optisch an Ruhe und Größe. Folgerichtig wurde in dieser Wohnung auch alles technische Equipment in Schränken versteckt.

Fotoserie: Wohnen mit Antiquitäten und Kunst

Dass gut dabei nicht automatisch teuer sein muss, zeigt sich an allen Ecken und Enden - zum Beispiel im Wellnessbereich: Der kostengünstigen Standard-Fichtenfront der Infrarotkabine wurden weiße Plexiglas-Platten vorgesetzt, mit denen man schließlich auch noch ein Versteck für Waschmaschine & Co. errichtet hat. Die Installationswand daneben wurde mit dekorativem Stoff tapeziert und ist nun die Rücklehne zu einer Sitztruhe, die Schlosser davor platziert hat.

Das Resümee des Bauherrn: "Die Maßanfertigungen bzw. Tischlerarbeiten waren allesamt billiger als Produkte von Markenherstellern." "Gewusst wie" lautete auch auf der Terrasse die Devise: Der Bambuswald aus Kunststoff ist ebenfalls eine Idee Schlossers. In den Blumentöpfen versenkte Neonröhren aus dem Baumarkt tauchen ihn effektvoll in grünes Licht.


Das Projekt

Kombination von Alt und Neu in einer 130 m2 großen Neubauwohnung. Zwei Monate Planungszeit, vier bis fünf Monate insgesamt zur Fertigstellung.
Küchenplanung: Küchenstudio Brunner, 8724 Spielberg.

Innenarchitekt: Daniel Schlosser, schlosser + planer, Fischergasse 27, 8010 Graz, Tel: 0650/81 57 650

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