Beichler im Interview: "Ich will wo hingehören!"
Nach langer Pechsträhne träumt Ex-Sturm-Kicker Daniel Beichler (23): vom Sturmlauf mit dem SV Ried, vom Stammleiberl in Berlin und seinem Comeback im Nationalteam.

Foto © GEPADaniel Beichler ist nun beim SV Ried
Herr Beichler, als Sie 2010 von Sturm in die weite Fußballwelt zogen, waren die Träume groß. Dann ging's sportlich bergab, Sie wechselten die Vereine fast im Monatstakt. Warum?
DANIEL BEICHLER: Ich habe mir das alles sicherlich anders vorgestellt. Da ist halt auch sehr viel zusammengekommen. Ein Mix aus Pech und eigenen Fehlern würde ich sagen. Es gab da viel zu lernen für mich.
Die Pechsträhne war vor allem gespickt mit Verletzungen ...
BEICHLER: Ich fiel in Berlin bei Hertha BSC nach einer Leistenoperation dreieinhalb Monate aus. Als ich 2011 nach St. Gallen verliehen wurde, hatte ich mit einer Immunerkrankung zu kämpfen, und das, wo der Verein im Abstiegskampf steckte. Das hat mich gleich einmal körperlich zurückgeworfen. Aber ich habe auch privat viele Fehler gemacht.
Und welche?
BEICHLER: Dazu möchte ich mich nicht äußern. Das würde mir mehr schaden, als mich befreien. Aber es waren dumme Sachen. Das lief nicht sehr positiv, katastrophal sogar.
Aha, aber Sie sagen uns nicht, was es war?
BEICHLER: Nein, das würde mir wirklich mehr schaden.
Dann zurück zum Sport: Sie sind im Sommer von Berlin an den SV Ried verliehen worden und dort sieht es großartig aus. Geht es nun mit Ihrer Karriere auch wieder bergauf?
BEICHLER: Das hoffe ich. Es war heuer die erste Wintervorbereitung seit zweieinhalb Jahren, die ich voll mitmachen konnte. Davon werde ich bestimmt bis in den Herbst hinein profitieren.
Ried spielt heuer sogar um den Meistertitel mit. Wie groß ist die Euphorie in der Mannschaft?
BEICHLER: Auch wenn wir bisher eine Riesensaison gespielt haben, ist der Titel trotzdem kein Thema. Da bremsen wir uns ein. Wir sind der Underdog und wissen, wer die wirklich großen Favoriten sind. Salzburg zum Beispiel, die sind auf jeder Position doppelt besetzt.
Ein kleiner Gruß an Freund Jakob Jantscher?
BEICHLER: (lacht) Der Jakob und ich sind immer noch alte Freunde, das stimmt. Aber im Ernst, die Salzburger sind größter Favorit und wir sind eine sehr junge Mannschaft und wollen nicht vermessen sein.
Welche Ziele haben Sie sich persönlich gesteckt?
BEICHLER: Ich will mit Ried einen Europacup-Startplatz schaffen. Und über Ried im Sommer wieder bei Hertha BSC einen Stammplatz ergattern.
Stichwort Berlin. Sie sind ja auch in Ried nur Leihspieler. Wie soll es da weitergehen?
BEICHLER: Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mich mit Trainer Markus Babbel nie gut verstanden habe. Der hat mich trotz guter Leistungen nicht spielen lassen. Aber wir haben dann letztlich schon beide unseren Teil dazu beigetragen, dass das Verhältnis nicht besser wurde. Doch das ist jetzt vorbei und ich will, dass auch diese Leihspieler-Sache ein Ende hat. Ich will wo hingehören, zu Hertha BSC oder sonst wohin, ganz egal. Mein Entschluss steht jedenfalls fest: Entweder hat Hertha im Sommer Verwendung für mich, oder ich wechsle den Verein.
Zurück zu Sturm? Ist das ein Thema?
BEICHLER: Das ist im Fußball immer so eine Geschichte. Ein Thema ist das natürlich immer. Sturm, Graz überhaupt, ist ja meine Heimat. Das bleibt einem immer im Herzen. Aber ich wollte ins Ausland und da will ich mich jetzt einmal durchsetzen. Mein größtes Problem ist derzeit jedenfalls, dass ich eine gewisse Sesshaftigkeit benötige. Ein längerfristiges Engagement. Ich war in Italien, in der Schweiz und in Deutschland, jetzt bin ich wieder hier in Österreich. Ich möchte nun wieder eine Zukunft.
Und das Nationalteam?
BEICHLER: Im Fußball kann es sehr schnell gehen. Auch das Team wäre natürlich großartig, ist immer mein großes Ziel. Ich habe halt zuletzt wenig Spiele gemacht, aber ich kenne meine Qualitäten, und wenn die Leistung beim Klub passt, kommt auch das Team. Davon bin ich überzeugt.
Haben Sie in den letzten Jahren des Tiefs eigentlich je ans Aufhören gedacht?
BEICHLER: Ganz ehrlich? Nein! Ich hatte im Grunde genommen ja immer Spaß. Natürlich, du denkst schon, meine Güte da läuft alles sch..., aber über ein Leben ohne Fußball habe ich noch nie richtig nachgedacht. Ich beschäftige mich nicht mit dem Aufhören. Das muss ich dann am Ende meiner Karriere ohnehin früh genug machen. Da lasse ich mir noch Zeit.
Zurück zur Heimat: Hat es Sie eigentlich geschmerzt, nicht mehr bei den Blackys zu sein, als Sturm Meister wurde?
BEICHLER: Viele haben gesagt: Ach, wärst du doch bei Sturm geblieben. Aber ehrlich, es hat gar nicht geschmerzt. Es hat für Sturm genau so, wie es war, perfekt gepasst. Ohne Jantscher, ohne Beichler, dafür mit anderen. Die Mischung hat gestimmt und ich habe mich richtig gefreut über den Titel. Wirklich.
Wie oft sind Sie noch in Graz?
BEICHLER: Wenn es sich ausgeht und die Spiele richtig fallen, ziemlich oft. Meistens sonntags und montags.
Wo trifft man Sie da meistens?
BEICHLER: Eigentlich gar nicht. Ich bin meist bei meinen Eltern oder bei meinem Sohn Luca, vielleicht geh' ich zum Essen aus. Aber in keine bestimmte Gegend.
Also ist Graz noch immer eine Art Lebensmittelpunkt für Sie?
BEICHLER: Auf jeden Fall. Irgendwas muss die Stadt ja auch haben, denn alle, die einmal weggehen, kommen irgendwann wieder zurück. Für mich wird die Stadt immer Heimat bleiben. Aber wie gesagt - ich will jetzt einmal im Ausland Fuß fassen. Irgendwie.
Und dann irgendwann wieder einmal zurückkommen.
BEICHLER: Genau.
Alles Gute dabei!
BEICHLER: Danke.
Features
Auf Augenhöhe
Daniel Beichler , geb. 1988 in Graz, ledig, ein Sohn. Positionen: Mittelfeld, Angriff Stationen: Sturm (2006/2007), Reggina (01/2007-06/2007), Sturm (2007-2010), Hertha (07/2010-09/2010), Hertha II (10/2010-01/2011), St. Gallen (02/2011-06/2011), Duisburg (07/2011), Ried (08/2011-06/2012). Ab Juli wieder Hertha, Vertrag bis 2014. 5 Nationalteam-Einsätze.











