Grazer von Armut bedroht: "Der finanzielle Druck steigt"
Das Leben wird zu teuer. Selbst Menschen mit geregeltem Einkommen stürmen die Vinzimärkte.

Foto © Gernot EderHeidi Anderhuber vom Grazer Vinzimarkt
Die alte Kasse klimpert, die Tiefkühltruhe brummt, an der Theke wird getratscht. In der Rochelgasse 15, einem von zwei Grazer Vinzimärkten, ist es wie damals beim Greißler. Gemütlich, ein freundlicher Zufluchtsort für Einkommensschwache. Im Sortiment: Lebensmittel zu einem Maximalpreis von 30 Prozent des Normalwerts. Teils falsch verpackt, etikettiert oder leicht beschädigt. Brot wird kostenlos verteilt.
Heidi Anderhuber ist seit acht Jahren das bunt gekleidete Herz des Marktes: "Der finanzielle Druck steigt. Alles ist teurer geworden, außerdem sparen viele, da sie sich bereits vor der nächsten Heizkostenabrechnung fürchten. Beunruhigend ist aber, dass nun auch immer mehr Menschen bei uns einkaufen, die über ein geregeltes Einkommen verfügen." Deswegen beschloss man bei der letzten Vorstandssitzung Ende Jänner, auf die gestiegenen Lebenskosten zu reagieren.
Kundenkreis wird erweitert
Anfang Februar schraubte man deshalb die Einkommensgrenze beim Anlegen einer Einkaufskarte in die Höhe. Bei Einzelpersonen wurde das Nettoeinkommen von 850 auf 900 Euro hinaufgesetzt. Bei Paaren von 1200 auf 1350 Euro aufgestockt. Pro Kind werden nun 150 statt bisher 100 Euro dazugezählt. "Normalerweise legen wir pro Woche drei Karten an, nun sind es 15. Vor allem am Ende des Monats kommen viele zu uns", so Anderhuber weiter.
Rund 150 Leute nehmen täglich das Angebot der beiden Märkte in Anspruch. Klientel: Alleinerzieher, Arbeitslose, Mindestpensionisten ... 4300 Karten wurden seit Beginn des Marktes im Jahr 2004 angelegt. Man sieht: Der Bedarf ist groß. Anderhuber bittet Firmen deshalb noch einmal: "Melden Sie sich bei uns, bevor Sie etwas wegschmeißen."
Features
So funktioniert's
Der Einkaufsberechtigungsausweis ist während der Öffnungszeiten in den Märkten erhältlich.
Verdienstnachweis, Meldezettel und Lichtbild- ausweis mitbringen.
Die Märkte.
Rochelgasse 15, Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 bis 13 Uhr. Donnerstag 14 bis 18 Uhr. Samstag 9 bis 12 Uhr.
Herrgottwiesgasse 51, Dienstag und Mittwoch 14 bis 18 Uhr und Donnerstag 9 bis 13 Uhr.
Zahlen
20.000 Grazer leben in manifester Armut. Sie können sich "absolut notwendige" Güter und Verhaltensweisen nicht leisten.
1200 Euro war die Grenze für Paare. Nun wurde sie auf 1350 Euro hinaufgesetzt. Pro Kind werden nun 150 Euro dazugezählt. Bisher: 100 Euro.











