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Zuletzt aktualisiert: 20.02.2012 um 11:24 UhrKommentare

Maschenschaften: Wo aus Protest gestrickt wird

Ein Strick-in ist das neue Sit-in: Guerilla-Strickerin Leni Kastl packt Stangen und Geländer im öffentlichen Grazer Raum ein. Jetzt auch im Museum.

Die "kuschelige Keplerbrücke"

Foto © KanizajDie "kuschelige Keplerbrücke"

Der rosarote Panzer: Das letzte Mai-Cover des feministischen Magazins "an.schläge" mit einem umstrickten Panzer inspirierte die Hobbygrazerin Leni Kastl. Ebenso die Demo zum 100. Internationalen Frauentag letzten März in Wien, wo die Wiener Ringstraße plötzlich Lila trug. Oder Pink. "Urban Knitting", "Guerilla Knitting" oder "Strick-Graffiti" nennt es sich, wenn Menschen den öffentlichen Raum mit Stricknadeln zeichnen und Schilder, Stangen, Geländer, Bäume, Statuen oder Fortbewegungsmittel in Wolle packen. Der Trend, 2005 angeblich erstmals in Texas gesichtet, ist nun auch in Graz gelandet.

"Mir geht es um eine Aussage, dem öffentlichen männlichen Raum eine weibliche Note zu verleihen. Eine reine Behübschungsaktion ist mir zu wenig", sagt Leni Kastl. "Ich bin politische Aktivistin." Beim Christopher Street Day 2011 markierte sie Graz erstmals. Unbekannte Nachahmer folgten ihr und seitdem werden von Mariagrün bis Liebenau immer öfter umgarnte Fahrradständer, Laternenpfähle oder Sitzbänke gesichtet. So schnell, wie die Stadt eingewickelt wird, so schnell verliert sie auch wieder ihr Wollkleid.

Soziale Wärme

Nicht so die Einzelteile der "kuscheligen Keplerbrücke" - die sind aktuell in der Ausstellung "Schauplatz Annenviertel" im Stadtmuseum zu sehen. Die Geschichte dazu: Kastl unterstützte zum "Tag der Empörung" im Herbst die Plattform 25 und umgarnte - "mit Genehmigung durch das Brückenamt" - Teile der Brücke. Ihr Statement lautete so: "Für mehr soziale Wärme und Solidarität oder zur Sichtbarmachung, dass Sparpakete Frauen stärker treffen." Sie rief auf - und plötzlich waren sie mehrere.

Dass an den Wollgeräten ein Hausfrauen-Image klebt, stört die 48-Jährige nicht. "Ich kann's und mag's, außerdem ist es leicht herstellbar." Nachsatz: "Und ein Zeichen gegen Überproduktion." Das ist ihre Masche.

JULIA SCHAFFERHOFER

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