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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 um 11:23 UhrKommentare

Wien: 62 Verletzte bei Chemie-Unfall

Der Austritt von Ammoniak aus einer Großkühlanlage eines Kühlhauses in der Baumgasse hat am Dienstagabend für einen Großeinsatz im Wiener Bezirk Landstraße gesorgt. Die Gefahr ist mittlerweile gebannt.

Foto © APA

Ein daumengroßes Leck im Kreislauf einer Großkühlanlage in der Baumgasse 80 in Wien-Landstraße hat am Dienstagabend zu einem Großeinsatz geführt. Aufgrund des austretenden Ammoniaks wurde die Umgebung teilweise evakuiert, zudem wurden die Anrainer aufgefordert, in den Wohnungen zu bleiben. Schließlich gelang es, das Loch abzudichten. Nach der jüngsten Bilanz der Rettung wurden 62 Personen leicht verletzt, vor allem Einsatzkräfte: Zwölf wurden ambulant behandelt, 50 in die umliegenden Krankenhäuser gebracht.

Laut KAV-Sprecherin Conny Lindner wurden von den 50 in die Spitäler eingelieferten Personen 18 stationär aufgenommen. Diese wurden in die Lungenabteilungen des AKH, Wilheminen Spitals, Otto Wagner Spitals sowie Donauspitals gebracht. "Glücklicherweise ist keiner von ihnen schwer verletzt." Wie viele am Mittwoch bereits entlassen wurden, stand zunächst nicht fest.

Die Feuerwehr war kurz vor 18.00 Uhr alarmiert worden. Menschen klagten über Augenschmerzen und Atemnot. An die Anrainer wurde appelliert, die Fenster geschlossen zu halten und in den Wohnungen zu bleiben. Straßen wurden großräumig gesperrt, die Leute per Lautsprecher aufgefordert, die Straßen zu verlassen. Die Feuerwehr löste Alarmstufe zwei aus und war mit etwa 80 Mann sowie ihren spezialisierten Chemikern im Einsatz.

Ursache noch unklar

Gegen 20.45 Uhr wurde das Leck von Technikern der Firma "Wiener Kühlhaus" in Zusammenarbeit mit den Experten der Feuerwehr, ausgerüstet mit Gasschutzanzügen, abgedichtet. Wie Feuerwehroffizier Christian Feiler am Mittwoch der APA sagte, war das Leck in der Nähe eines Flansches entstanden. Das Ammoniak trat "hochgradig" aus. Man müsse sich das ganze System wie einen überdimensionalen Kühlschrank vorstellen - hier gäbe es auch nicht alle 20 Zentimeter ein Ventil. Zudem könne man durch unsachgemäßes Hantieren noch größeren Schaden anrichten. So kamen Leckdichtkissen zum Einsatz, die zusätzlich durch Ratschengurte fixiert wurden. Beim Unternehmen konnte man der APA am Mittwoch zunächst keine Ursache für das Leck nennen.

In der Arena wurde das Konzert der Gruppe Eisbrecher abgesagt, das nahe Etap-Hotel auf dem Franzosengraben geräumt, die evakuierten Gäste in anderen Häusern untergebracht. Nach Ende der Vorstellung des Musicals "Cats" im Zelt auf dem Medienareal Neu Marx sorgten Einsatzkräfte für eine rasche Abreise der Besucher. Ein Betroffener kritisierte, dass sie nicht über das Geschehen informiert wurden. Ihnen wurde lediglich von einem Feuerwehreinsatz erzählt, jedoch nichts über die genauen Hintergründe. Einige Fans konnten nicht mehr zum Auftritt von Tim Bendzko in den Gasometer vordringen.

Die Wiener Rettung war mit dem gesamten Katastrophenzug ausgerückt. "Ammoniak führt schon bei geringem Kontakt mit den Schleimhäuten zu Hustenanfällen und Tränenfluss", erklärte Dieter Sebald, interimistischer ärztlicher Leiter. Die Symptome ließen sich gut behandeln, die Helfer hätten über ausreichende Medikamente verfügt. Allerdings: Bei ein "paar Atemzügen zu viel" können auch - durchaus behandelbare - Spätfolgen "wie das gefürchtete toxische Lungenödem" auftreten.

Im Zuge der Maßnahmen war es zu umfangreichen Straßensperren gekommen. Größere Staus blieben laut ÖAMTC aus. Die U-Bahn-Linie U3 verkehrte nur zwischen Ottakring und Kardinal-Nagl-Platz, die Straßenbahnlinie 18 wurde kurzgeführt. Die Wiener Linien nahmen aber kurzfristig nach Ende der Show im Gasometer den U-Bahn-Verkehr auf, um die Besucher rasch wegzubringen. Taxis waren keine mehr zu bekommen. Viele Fußgänger warteten entlang der Sperrzone zunächst an den Haltestellen, machten sich dann aber zu Fuß auf den Weg.

Quelle: APA

Fakten

Ammoniak ist eine der meistproduzierten Chemikalien der Welt, heißt es auf dem Internetportal ammoniak.org. Es handelt sich dabei um ein bei Zimmertemperatur farbloses, stechend riechendes Gas. Es besteht aus den Elementen Wasserstoff und Stickstoff im Verhältnis 1:3. Laut Eintrag auf Wikipedia wirkt es erstickend und zu Tränen reizend.

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