Nervöse Anspannung liegt in der Luft
Überfüllte Taxis - Menschentrauben rund um Öffi-Haltestellen - "Wurscht, wo der hinfährt, er soll mich mitnehmen"
Blaulichter zucken auf, Folgetonhörner begleiten den Katastrophenzug der Rettung und die Polizei, Pkw schlängeln sich durch die Absperrung der Baumgasse in Wien-Landstraße, während sich Passanten auf den Gehsteigen in der Schlachthausgasse zu kleinen Grüppchen zusammenrotten. Dienstagabend liegt nach dem Austritt von Ammoniak bei einer Kühl-Firma in der Baumgasse rund um den Ort des Geschehens Anspannung in der Luft.
"Aus Sicherheitsgründen werden Sie aufgefordert diese Örtlichkeit zu verlassen", dröhnt es aus einem Polizeiwagen, der die Schlachthausgasse kurz nach 19.30 Uhr entlang fährt. Für kurze Zeit lauschen die Menschen gebannt den Lautsprecher-Durchsagen. Die Polizei fordert Passanten auf, sich in Häuser und Wohnungen zu begeben und die Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Zwei in Panik versetzte Passanten laufen überstürzt über die Straße - aber scheinbar ohne Ziel. Sie kehren um, ziehen sich Schal über Mund und Nase und warten auf die Bim. Rund um die Straßenbahnhaltestelle "Baumgasse" bildet sich binnen kürzester Zeit eine große Menschentraube. Jeder versucht, so schnell wie möglich nach Hause oder einfach wegzukommen. Viele drängen in die überfüllte Straßenbahn. Gleichzeitig dröhnen durch die Lautsprecher an den Haltestellen Durchsagen, dass es in Kürze kein Weiterkommen mehr gibt. Der Betrieb der Öffis wird vorübergehend nicht planmäßig laufen.
Aber auch die Taxis sind restlos überfüllt bzw. fahren die Gegend rund um die Baumgasse nicht mehr an. Eine Passantin versucht eine orangefarbiges Straßenfahrzeug der Stadt Wien anzuhalten. "Mir wurscht, wo der hinfährt, er soll mich ein Stück mitnehmen", raunt sie, nachdem ein überfülltes Taxi nach dem anderen an ihr vorbeibraust.
"Oh Gott, irgendein Giftgas", schildert eine aufgeregte Konzertbesucherin, die eigentlich in der Arena feiern wollte. Der Auftritt der Band Eisbrecher wurde aber angesagt. Andere wiederum fragen sich durch, ob das Konzert von Tim Benzko im Gasometer stattfinden wird. Und wieder andere huschen kostümiert durch die Straßen und versuchen die Faschingsparty an eine andere Örtlichkeit zu verlegen.
Hinter den Fenstern der umliegenden Häuser und Wohnungen tauchen neugierige Gesichter auf. Und einige kommen trotz der Warnungen aus dem Haus. "Was soll ich tun, mein Hund muss...", meint eine Anrainerin leicht genervt.










