Noch 40 Jahre Unsicherheit
Die Folgen des GAUs von Fukushima werden immer dramatischer: Mindestens 40 Jahre soll es dauern, bis das AKW abgeschaltet werden kann. Die Gefahr neuer Kernschmelzen ist zudem noch längst nicht gebannt.

Foto © APZerstörtes AKW: Tausend Grad am Boden der Reaktoren
Die japanische Regierung plant für die vollständige und sichere Abschaltung des von Erdbeben und Tsunami schwer beschädigten Atomkraftwerks Fukushima mindestens 40 Jahre ein. Handelsminister Yukio Edano sagte gestern in Tokio, die Regierung wolle das Konzept entschieden und sicher abarbeiten und dabei auch die Ansichten der mehr als 100.000 Anrainer berücksichtigen, die wegen des GAUs ihre Häuser verlassen mussten.
Der Plan wurde wenige Tage nach der Erklärung der Regierung veröffentlicht, die Anlage sei stabil. Experten zufolge sind die Reaktoren weiterhin anfällig für zukünftige Katastrophen.
Zu Wochenbeginn hatte ein Regierungssprecher verkündet, das havarierte Atomkraftwerk Fukushima sei "endlich unter Kontrolle, da die Reaktoren den Zustand eines sogenannten "cold shutdown", also einer Kaltabschaltung erreicht hätten. Die Temperatur am Boden der Reaktordruckbehälter sei unter 100 Grad gesunken, sodass kein weiteres Kühlwasser mehr verkocht.
Kritiker halten diese Definition im Falle von Fukushima jedoch für problematisch. Schließlich seien die Brennstäbe vollständig geschmolzen und hätten sich durch den Boden der Reaktordruckbehälter durchgebrannt. Sie lägen nun in Klumpen auf dem Boden der Umhüllung. Und dort entwickelten sie weiter extrem hohe Temperaturen; manche Experten schätzen sie auf mehrere Tausend Grad. Sie sollen sich sogar teils in den Betonmantel hineingebrannt haben. Die Gefahr neuer Kernschmelzen sei noch längst nicht gebannt.
Verstaatlichung von Tepco
Auch Medien weisen darauf hin, dass niemand genau wissen könne, wie es in den Reaktoren aussehe. Wegen der Hitze und Strahlung kann niemand hinein.
Die japanische Regierung plant nun - nicht zuletzt wegen der noch unabschätzbaren Probleme mit der Atomruine von Fukushima - die Übernahme von mehr als zwei Dritteln der Anteile des Energieunternehmens Tokyo Electric Power (Tepco). Das würde faktische eine Verstaatlichung des Betreibers des Kernkraftwerkes Fukushima bedeuten. Die Zeitung "Yomiuri" berichtete gestern, der Staat wolle eine Billion Yen (rund 9,7 Milliarden Euro) in das Unternehmen einbringen. Außerdem würden Banken gebeten, dieselbe Summe an Krediten zur Verfügung zu stellen.
Der Zeitung zufolge sollen die konkreten Verhandlungen im nächsten Jahr beginnen und bis März abgeschlossen sein. Tepco sieht sich mit hohen Entschädigungszahlungen und Kosten für die Dekontaminierung verstrahlter Gebiete konfrontiert.
Features
Vorher / Nachher
Fakten
Erdbeben, Tsunami und die daraus folgende Atomkatastrophe von Fukushima kosteten 16.000 Menschen das Leben, 4000 gelten noch als vermisst.
11. März 2011: Ein Erdbeben der Stärke 9,0 erschüttert Japan und löst eine gigantische Flutwelle aus. Das AKW Fukushima gerät außer Kontrolle.
April: 20-Kilometer-Zone um AKW wird Sperrgebiet.
Mai: 130.000 Erdbebenopfer leben in Notquartieren.











