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Zuletzt aktualisiert: 21.02.2012 um 20:30 UhrKommentare

Die Messer in seinem Herz

Denkmal für einen ganz großen Poeten: Daniela Strigl würdigt Walter Buchebner.

Im Herbst 1957 notierte der 28-jährige Walter Buchebner in seinem Tagebuch: "Ich spüre eine Einsamkeit herankommen, die mich zerreißen wird. Ich spüre, daß ich bald alles werde verlassen müssen, was mir lieb und teuer ist. Ich weiß nicht, warum, aber ich spüre ein Messer, das ganz langsam in mein Herz gestoßen wird." Dieses metaphorische Messer stellt sich als bösartige Nierenerkrankung heraus, die dem aus Mürzzuschlag stammenden und in Wien lebenden Schriftsteller, der 1963 auch zu malen begann, ein jahrelanges Martyrium bereitet. Eine Operation verschafft nur kurzfristig Linderung, im Tagebuch beschreibt er seine fürchterlichen Schmerzen, die er zum Ende hin mit Morphium linderte. Im Alter von 35 Jahren setzte Walter Buchebner am 4. September 1964 seinem Leben ein Ende.

Walter Buchebner ist einer der großen Unbekannten der österreichischen Literatur nach 1945 geblieben. Zu seinen Lebzeiten erschienen die Gedichte hauptsächlich in Literaturzeitschriften, Einige offizielle Anerkennungen gab es für seine Werke. So erhielt er den Förderpreis des Wiener Kunstfonds und den Theodor-Körner-Preis für Lyrik. Nach seinem Freitod nahm sich der Lyriker Alois Vogel seines Nachlasses an und veröffentlichte 1969 "Zeit aus Zellulose" und 1974 "Weiße Wildnis", Gedichte und Tagebucheintragungen. Rund um eine Ausstellung von Buchebner-Bildern 1977 in der Wiener Erste-Bank-Zentrale produzierte Günter Brödl Buchebner-Gedichte für die legendäre Ö3-musikbox: Großstadtlyrik unterlegt mit Beatmusik. Danach: Funkstille.

Keine weiteren Publikationen folgten außer der Neuauflage von "Zeit aus Zellulose" im Styria Verlag 1994. Die Germanistin und langjährige Bachmann-Preis-Jurorin Daniela Strigl hat nun Gedichte, Prosa und Tagebücher Buchebners herausgebracht und damit eine Möglichkeit geschaffen, das vor allem lyrisch großartige Werk zu rezipieren.

Eine überaus verdienstvolle editorische Leistung, die ein kleiner Fehler (sie gibt als Sterbeort Paris an) nicht beeinträchtigt. Die Lektüre der literarischen Arbeit dieses wachen Zeitgenossen mit kritischem Blick auf die Nachkriegsgesellschaft samt all ihren Widersprüchen zahlt sich wahrlich aus. REINHOLD REITERER Lesetipp: Walter Buchebner/Daniela Strigl. ich die eule von wien. Mit bisher unveröffentlichten Gedichten und Tagebucheintragungen. Edition Atelier. 220 Seiten, 26 Euro.


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