"Tockern sind die, die Bank kaufen"
Drehscheibe Klockerhube: Wie vom Kärntner Ulrichsberg aus die Hypo Alpe Adria an die BayernLB ging.
Für FPK-Obmann Uwe Scheuch war es völlig klar: "Die Tockern sind die, die die Bank kaufen, nicht die, die sie verkaufen." Drastischer haben es die Bayern nie ausgerichtet bekommen, wie sie beim Kauf der Kärntner Hypo Alpe Adria eingefahren sind. 800 Millionen Euro kassierte das Land Kärnten. "Part of the game" waren angeblich 2,5 Millionen, die Jörg Haider nach Aussagen des Ex-BayernLB-Chefs Werner Schmidt für den SK Austria Kärnten abpresste. Korruption im Sportzirkus war zu der Zeit in der BayernLB offenbar schon in großem Stil Hausbrauch: Ex-Vorstand Gerhard Gribkowsky, der mit Schmidt den Hypo-Kauf abwickelte, sitzt in München in U-Haft wegen 50 Millionen Dollar, die nach Milliardendeals um Formel-1-Rechte mit Bernie Ecclestone in seiner Privatstiftung in Salzburg gelandet waren. Laut jüngsten Meldungen soll das Geld nur Umwege via Karibik genommen haben, aber von der BayernLB selbst (!) ausgegangen sein.
Mit diesen Herrschaften kamen nicht nur Jörg Haider und Josef Martinz mitsamt Berater Dietrich Birnbacher, sondern auch Tilo Berlin und seine Investoren gut ins Geschäft. Zuerst beteiligte sich Berlin an der kapitalschwachen Hypo. "Wann's des Göld hobt's moch ma des", lud ihn Jörg Haider im Salzamt in Klagenfurt im Dezember 2006 zum Einstieg ein. "So nahm die Sache ihren Lauf, die im Rahmen weiterer Treffen - in Kärnten immer auf der Klockerhube - an Konturen gewann", beschreibt Berlin in seinen Deal-Memoiren, wie der heimatliche Ulrichsberg zur Drehscheibe wurde.
600 Millionen stellte er mit Promis auf - von der von Wolfgang Kulterer beratenen Flick-Stiftung bis zu Industriellenpräsident Veit Sorger. 150 Millionen fielen für sie beim Verkauf an die Bayern ab. Jörg Haider sagte: "Kärnten ist reich." Nur übersah man, dass beim Hypo-Verkauf 20 Milliarden Haftungen für die Bank am Land picken blieben.
Fakten
Tilo Berlin war die Schlüsselfigur beim Verkauf der Hypo an die BayernLB, deren Chef Werner Schmidt er gut kannte. "Die Hypo ist eine Perle", sagte Berlin, was für seine prominenten Investoren stimmte, die 150 Millionen verdienten. Gegen Berlin, der selbst Hypo-Vorstand wurde, ermittelt die bayerische Justiz.
Edmund Stoiber (CSU) war Ministerpräsident in Bayern. Die Opposition in München wirft ihm vor, dass das Hypo-Abenteuer der BayernLB seiner "Großmannssucht" geschuldet sei. Stoiber machte persönlich in Kroatien Druck, als dort die Nationalbank den Deal bremste.
Dietrich Birnbacher Steuerberater von Josef Martinz, beriet diesen und Jörg Haider beim Hypo-Verkauf. Sein 12- Millionen-Honorar löste Proteststürme aus. Er ließ per Patrioten-rabatt die Hälfte nach. Der Rechnungshof konnte auch sechs Millionen "nicht nachvollziehen". Neue Ermittlungen.
Werner Schmidtist als Ex-Vorstandschef der BayernLB ein Hauptbeschuldigter der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München. Ihm wird Untreue, die Hypo zu teuer gekauft zu haben, vorgeworfen. Ihm droht eine Schadenersatzklage für die Milliardenverluste der Bayern mit der Hypo.














-Anzeigen