Johannes Ditz: "Konflikte können wir uns nicht leisten"
Johannes Ditz, Aufsichtsratschef der verstaatlichten Kärntner Hypo, spricht im Interview über die Konflikte mit den Ermittlern der CSI Hypo.

Foto © APAJohannes Ditz
Seit gut zwei Jahren wird die Hypo Alpe Adria als Abbaubank des Staates geführt. Wie ist der Status aus Sicht des Aufsichtsratschefs?
JOHANNES DITZ: Nicht die ganze Bank ist eine Abbaubank. Es gibt auch gesunde Teile. In zwei Jahren von 1,5 Milliarden Euro Verlust auf praktisch null zu kommen, zeigt, dass das Unternehmen Tritt gefasst hat. Die Risikosysteme, die früher nicht vorhanden waren, sind heute so, dass man sagen kann, hier wird eine südosteuropäische Bank effektiv von der Holding gesteuert. Noch nicht abgeschlossen ist die Aufarbeitung der Vergangenheit.
Die Vergangenheit spiegelt sich in zehn Milliarden Euro Not leidenden Krediten wider. Zudem hat Vorstand Gottwald Kranebitter den Wert der Firmenteile, die stillgelegt werden müssen, ebenfalls mit zehn Milliarden Euro beziffert. Wie soll das bewältigt werden?
DITZ: Die zehn Milliarden Non performing loans ( Not leidende Kredite, Anm.) sind nicht total verloren. Dahinter stehen in der Regel Sicherheiten, die wir verwerten. Zusammen mit den Geschäftsbereichen, die ertragsreich sind, wollen wir heuer unter dem Strich ein Plus schaffen. Das Ziel ist ambitioniert, aber für die Verkaufsstrategie wesentlich. Wir beginnen jetzt mit der Auswahl einer Investmentbank, um alle Möglichkeiten zu nutzen. Kompetenzkonflikte können wir uns keinesfalls leisten.
Sie spielen auf die Ermittler der CSI an. Wäre ein Hypo-"Aufpasser", wie ihn der CSI-Chef Wolfgang Peschorn fordert, kontraproduktiv für den Verkauf?
DITZ: Wenn man alles, was im Unternehmen in Richtung Aufarbeitung gemacht wird, permanent prüft und infrage stellt, dann bindet man damit extrem viele Ressourcen und die operative Führung leidet. Vorstand und Aufsichtsrat tragen die Verantwortung und haften für ihre Handlungen, daher hat die CSI im operativen Handling nichts verloren.
Was steckt hinter dem Konflikt? Personen, die Sie nicht wollen?
DITZ: Nein, gar nicht. Die Zusammenarbeit Vorstand - CSI gestaltete sich schwierig, es gab Kompetenzkonflikte und Zeitverzögerungen. Es geht nicht gegen eine Person, sondern um Strukturen und den Grundsatz, dass man vom Aktienrecht aufgestellte Stoppschilder nicht überfährt.
Ihr Gegenvorschlag heißt "Koordinator", der Vorstand und Aufsichtsrat zugeordnet ist, aber nicht eigenständig ins Ministerium berichten darf. Gibt es eine Reaktion?
DITZ: Ich nehme an, dass ihm näher getreten wird, weil er Kontrolle gewährleistet, Vertrauen zum Eigentümer herstellt und das Aktienrecht nicht bricht.
Wenn wir schon beim Namen nennen sind: Ist der ehemalige Staatsanwalt im Bawag-Prozess, Georg Krakow, als ein solcher "Koordinator" erwünscht?
DITZ: Von der Kompetenz ist das eine Wahl, wo es keinen Einspruch von Vorstand oder Aufsichtsrat geben wird.
Soll die CSI aufgelöst werden?
DITZ: Für die Aufarbeitung der ersten Phase hatte sie eine wichtige Rolle, die ist jetzt abgeschlossen. Koordinator und Vorstand sollen jetzt die Strukturen übernehmen und effizient neu ausrichten.
Kann die Vergangenheitsbewältigung so ernsthaft gelingen?
DITZ: Die Beurteilung der strafrechtlichen Fragen liegt bei der Justiz. Privatrechtliche Schadenersatzklagen sind wichtig, um Geld zurückzuholen. Das braucht Zeit. Soll nicht heißen, dass hier nicht Erfolge zu erzielen sind.
Die Industrielle und Ex-Politiker Hannes Androsch hält die Hypo für ein Fass ohne Boden.
DITZ: Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Natürlich, die Rechnung wird am Ende gemacht, wenn verkauft wird. Wir verfügen heute über eine Hypo, die mittlerweile wieder für viele Investoren interessant sein kann. Das werden wir im Verkaufsprozess darstellen. Gelingt es, werden wir durchaus Preise erzielen, die uns helfen sollten, weitere Zuschüsse des Steuerzahlers zu vermeiden.
Braucht die Hypo nicht bald wieder Geld vom Staat?
DITZ: Der Vorstand sieht kein Liquiditätsproblem.
Die Frage an den Ex-Politiker Ditz: Was denken Sie über die Verquickungen zwischen Politik und Wirtschaft? Stichwort Telekom.
DITZ: Rund um die Korruption bei der Telekom brechen Dinge auf, aus denen man Schlüsse ziehen muss: Da geht es massiv um mangelnde Kontrolle. Ein Aufsichtsrat muss auch drängen, Berater auszuwechseln. Kontrolle ist keine Schönwetter-Veranstaltung. Man muss Zivilcourage einfordern.
Wollen Sie Ihre Forderung nach Auflösung der Staatsholding ÖIAG erneuern?
DITZ: Nein.














-Anzeigen