Zwist um Speiseweintrauben
Es muss nicht immer Wein sein: Vor allem heimische Obstbauern haben großes Interesse am Anbau von Speisetrauben. Die Auflagen sind aus Rücksicht auf die Weinbauern streng.

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Als Produzent von Weinen höchster Qualität ist die Steiermark weltweit ein Begriff. Am Markt für Speisetrauben glänzen die heimischen Obst- und Weinbauern bis jetzt aber nur durch Abwesenheit. Der Anbau beschränkt sich in der Steiermark ausschließlich auf Keltertrauben, die zu Wein und anderen Erzeugnissen wie Saft oder Edelbränden weiterverarbeitet werden. Jedes Jahr müssen österreichweit daher rund 40.000 Tonnen Speisetrauben aus dem Ausland eingeführt werden. Die inländische Produktion beschränkt sich auf wenige Hektar in Niederösterreich und im Burgenland.
Das soll sich nun ändern. Steirische Bauern wollen künftig am österreichischen Markt für Speisetrauben - mit einem jährlichen Volumen zwischen 30 und 40 Millionen Euro - kräftig mitnaschen. Möglich machen soll das eine Novelle des Landesweinbaugesetzes, die derzeit in Begutachtung ist. "Vor allem von den Obstbauern wird schon länger der Wunsch an uns herangetragen, Tafel-, also Speisetrauben anbauen zu dürfen. Mit dem nun vorliegenden Entwurf des neuen Landesweinbaugesetzes wird die rechtliche Grundlage dafür geschaffen. Eine heimische Tafeltraubenproduktion ist nur zu begrüßen", erklärt der steirische Weinbaudirektor Werner Luttenberger.
Strenge Auflagen
Der Aufbau einer solchen dürfte vorerst aber nur langsam voranschreiten. Der Anbau von Tafeltrauben wird nämlich - vor allem zum Schutz der Weinwirtschaft - an rigorose Auflagen geknüpft sein. Das Pflanzrecht wird gleich wie bei Keltertrauben streng kontingentiert, nur in geeigneten Lagen vergeben und auf bestimmte Tafeltraubensorten beschränkt. Nur Überschüsse und nicht verkaufbare Speiseware dürfen zu Tafelwein beziehungsweise Sturm verarbeitet werden. "Der vorliegende Entwurf ist ein guter Kompromiss. Schließlich wollen wir keine Konkurrenz für die Weinwirtschaft schaffen", begründet Luttenberger.
Potenzielle Tafeltraubenproduzenten sehen das freilich anders (siehe nebenan). Sie befürchten durch die engen Daumenschrauben produktionstechnische und finanzielle Benachteiligungen gegenüber anderen EU-Ländern. Die relativ hohen Investitionskosten würden viele Interessenten abschrecken. Abgelehnt wird auch die geplante Einhebung einer Marketinggebühr für jeden Hektar neu vergebenes Pflanzrecht.
Landtag hat letztes Wort
Ob diese Einwände im endgültigen Gesetzestext berücksichtigt werden, wird sich zeigen. Nach einer eingehenden Prüfung aller abgegebenen Stellungnahmen und eventuellen Abänderungen soll der Landtag noch im Frühjahr darüber abstimmen. Bis Ende Juli könnten Interessenten dann um Pflanzrechte ansuchen.
"Wir rechnen mit einer Nachfrage von zehn bis 20 Hektar. Die Flächen kommen aus der nationalen Reserve, gehen also nicht zulasten der regionalen Reserve für den Keltertraubenanbau", betont Luttenberger. Mit der ersten steirischen Tafeltraubenernte sei dann drei Jahre nach der Auspflanzung zu rechnen.












