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Die Wut als Triebfeder für gute Unterhaltung
Gregor Seberg hatte andere Pläne. Denn ehe er nach Wien "zwangsgesiedelt" wurde, strebte er noch den Beruf des Naturforschers an. Die Lyrik jedoch ebnete ihm einen anderen Weg.

Foto © HoffmannDer Solokabarettist Seberg
Die High Society, die sogenannte, die meidet er. So gut es geht jedenfalls. Denn eines ist seine Sache ganz und gar nicht: die Oberflächlichkeit. Er, der mit zahlreichen Talenten ausgestattete Grazer, der Autor und Regisseur, der Schauspieler und Kabarettist, steht nicht gern dort, wo Semiprominenz sich drängt. Lieber steht er am Filmset, lieber steht er auf der Kleinkunstbühne. Letzteres in den kommenden Wochen auch mehrfach in seiner steirischen Heimat.
"Oh, du mein Österreich?!" heißt sein nach "Was Frauen wirklich wollen" zweites Soloprogramm. "Wut", sagt er, "war mein Antrieb, mich mit dem Land auseinanderzusetzen. Ein Land, das so reich ist, und in dem es dennoch so viel Armut gibt, das so schön ist, und in dem es dennoch so viel Hässliches gibt." Nachsatz: "Aber die große Lust, ein Publikum zu unterhalten, hat natürlich auch ein bisserl eine Rolle gespielt . . ."
Und er unterhält das Publikum gut. In satirischen TV-Formaten, nicht zuletzt aber auch seit 2006 als Kommissar Helmuth Nowak in der Krimiserie "Soko Donau", deren Erfolg auch in Deutschland in erster Linie auf den Humor, den österreichischen Humor, zurückzuführen wäre. "Den mögen auch die Nachbarn", sagt Seberg, gibt aber zu, dass ihm die Rolle nicht ewig Spaß machen wird. "Irgendwann hat die Sache mit Sicherheit ihr Ablaufdatum. Zumindest für mich."
Unfreiwilliger Umzug
Gregor Seberg, der Krimis im Fernsehen übrigens kaum verfolgt, viel eher liest er welche, kam im Alter von 14 Jahren nach Wien. Freilich nicht freiwillig. Aufgewachsen gemeinsam mit seiner um vier Jahre älteren Schwester Claudia in einer Siedlung zwischen Zentralfriedhof und Gefangenenanstalt Karlau bei der Oma, der ersten Schaffnerin von Graz, besann sich die Mutter eines Tages ihrer Rolle und holte den Buben zu sich. Der Vater? Als Gregor zur Welt kam, war der bei der Fremdenlegion. Später dachte Gregor lange, sein Erzeuger sei tot. Als der Knabe 16 war, läutete schließlich das Telefon . . . "Seither haben wir losen Kontakt."
Zurück zum Umzug nach Wien. Es war ein Kulturschock für Gregor, dessen Traumberuf Naturforscher gewesen wäre, ehe alles ganz anders kam. "Ich war einsam in Wien, habe mich fremd gefühlt und in die Literatur geflüchtet. Dort habe ich mich dann wiedergefunden. In der Lyrik, wobei beispielsweise die Texte des Konstantin Wecker lange sehr wichtig für mich waren."
Eines Tages schmiss das "frühreife Früchtchen", das mit 17 ein Verhältnis mit seiner 34-jährigen Lehrerin hatte, wegen der er auch ein Moped fladerte, nur um zu ihr fahren zu können, die Schule. "Maturiert hab' ich dennoch. Extern. Und dann zu studieren begonnen." Vier Semester widmete er sich der Germanistik und der Theaterwissenschaft, ehe er draufkam, "dass ich viel lieber Theater spielen würde als auf der Uni etwas darüber zu lernen."
Gedacht, getan, und schon war das Konservatorium die Basis für sein heutiges Leben.
Katzenfreund und Präsident
Ein Leben, das der Katzenfreund ("Winnie" und "Nelson" hat er nach den Mandelas benannt) zu genießen versteht. Er isst gern gut, er trinkt gern gut. Speziell Weißweine aus dem Steirischen. Allerdings nicht in den Sieben-Gänge-Lokalen. "Ich mag charismatische Plätze mit Stil." Und mitunter kocht der Mann, dessen Lebensgefährtin gleichzeitig seine Managerin ist, auch selbst.
Und eine Randbemerkung noch zum Schluss: Der Umstand, dass Gregor Seberg Präsident des Fußballvereins "FC Wojtyla Ade", einer Hobbytruppe ist, hat nicht zu bedeuten, dass er so tief religiös wäre. Geheimbünde und Verschwörungstheorien, die allerdings faszinieren ihn.
Features
Zur Person
Gregor Seberg, geboren am 24. Juli 1967 in Graz, kam im Alter von 14 nach Wien. Nach vier Semestern auf der Uni sattelte er auf Schauspiel um.
TV-Debüt 1995 u. a. in "Kommissar Rex".









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